Das Spo­tify Modell ein­fach erklärt

Methoden & Mindset
Das Spotify Modell einfach erklärt

Kern­ele­mente und Prin­zi­pien des Spo­tify Modells

Zusam­men­fas­sung:

Das Spo­tify Modell beschreibt eine Art der Unter­neh­mens­struk­tur, die zu mehr Agi­li­tät und effi­zi­en­ter Zusam­men­ar­beit führt. Die Kern­ele­mente sind Squads, Tri­bes, Chap­ters und Guilds, die das Unter­neh­men in selbst­be­stimmte Teams ein­tei­len, zwi­schen denen ein regel­mä­ßi­ger Wis­sens­aus­tausch stattfindet.

Lese­zeit: 7 Minuten

Schnelle tech­no­lo­gi­sche Ent­wick­lun­gen, Poly­kri­sen und sich immer wie­der ändernde Kun­den­an­for­de­run­gen sind mitt­ler­weile fes­ter Bestands­teil unse­rer heu­ti­gen Arbeits­welt. Viele Unter­neh­men set­zen daher auf agile Arbeits­wei­sen, die nicht nur in der Soft­ware­ent­wick­lung zu mehr Pro­duk­ti­vi­tät, Inno­va­tion und Qua­li­tät führen.

Gerade Start­ups pro­fi­tie­ren von einem agi­len Mind­set, mit kur­zen Abstim­mungs­we­gen, schnel­len Ent­schei­dungs­pro­zes­sen und einem Fokus auf eigen­ver­ant­wort­li­ches und selbst­be­stimm­tes Arbei­ten. So ska­liert oft nicht nur der Umsatz, son­dern auch die Anzahl der Mit­ar­bei­ten­den steigt an. Dabei kommt es immer wie­der vor, dass chao­ti­sche Struk­tu­ren im Unter­neh­men ent­ste­hen, was wie­derum die Leis­tung und Qua­li­tät des Unter­neh­mens beeinträchtigt.

Wie kön­nen agile Unter­neh­men also sicher­stel­len, dass sie trotz schnel­lem Wachs­tum wei­ter­hin effi­zi­ent arbei­ten und Vor­rei­ter am Markt bleiben?

Eine Ant­wort dar­auf lie­fert das Spo­tify Modell.

Beim Spo­tify Modell han­delt es sich um einen Ansatz aus der agi­len Arbeits­weise. Mehr über das Thema agi­les Arbei­ten, gibt es in unse­ren Blog­bei­trä­gen Agi­les Arbei­ten: Defi­ni­tio­nen und Pra­xis­bei­spiele! Teil 1 und Agi­les Arbei­ten: Defi­ni­tio­nen und Pra­xis­bei­spiele! Teil 2.

Das Spo­tify Modell

Der schwe­di­sche Stre­a­­ming-Diens­t­­leis­­ter Spo­tify hat 2012 offen­ge­legt, wie seine Unter­neh­mens­struk­tur und ‑kul­tur zum Erfolg des Unter­neh­mens bei­trägt. Diese Kom­bi­na­tion und Wei­ter­ent­wick­lung von agi­len Arbeits­wei­sen wie Scrum haben in der agi­len Arbeits­welt viele Nach­ah­mer gefun­den, die das soge­nannte „Spo­tify Modell“ auch im eige­nen Unter­neh­men eta­blie­ren wollen.

Ganz so leicht ist es jedoch nicht.

Wer glaubt durch das Spo­tify Modell eine nar­ren­si­chere Anlei­tung für eine erfolg­rei­che Unter­neh­mens­struk­tur gefun­den zu haben, muss seine Erwar­tun­gen etwas zurück­schrau­ben. Ein­fach eins zu eins die Ansätze von Spo­tify zu über­neh­men, führt nicht zum gewünsch­ten Erfolg. Jedes Unter­neh­men hat seine eige­nen Bedürf­nisse, die von einer indi­vi­du­el­len Unter­neh­mens­struk­tur und pas­sen­den ‑kul­tur bedient wer­den müs­sen. Den­noch hilft es, die Ele­mente und Prin­zi­pien des Spo­tify Modells zu ver­ste­hen, um diese sinn­voll auf das eigene Unter­neh­men zu transferieren.

Kern­ele­mente des Spo­tify Modells

Im Gegen­satz zu Her­an­ge­hens­wei­sen, die ver­su­chen dem Unter­neh­mens­wachs­tum mit bestimm­ten Metho­den und Rou­ti­nen wie Sprints oder Daily Scrums Herr zu wer­den, setzt das Spo­tify Modell auf eine agile Struk­tur im Unter­neh­men. Die Kern­ele­mente sind dabei Squads, Tri­bes, Chap­ters und Guilds.

Das Spotify Modell_Suqad,Tribe,Chapter und Guild

Abbil­dung 1: Die Kern­ele­mente des Spo­tify Modells: Squads, Tri­bes, Chap­ters und Guilds

Squad

Als Squads wer­den kleine Teams (max. 8–10 Per­so­nen) bezeich­net, die

  • selbst­or­ga­ni­siert,
  • mul­ti­dis­zi­pli­när und
  • eigen­ver­ant­wort­lich

für eine lang­fris­tige Mis­sion arbeiten.

Ähn­lich wie in Scrum-Teams gibt es in jedem Squad einen Pro­duct Owner, der die Auf­ga­ben prio­ri­siert und einen Agile Coach, der dafür sorgt, dass das Squad effi­zi­ent arbei­ten kann. Ele­men­tar ist hier­bei, dass Squads nicht nach den Scrum-Vor­­­ga­­ben arbei­ten müs­sen, son­dern selbst­be­stimmt ihre Arbeits­weise von der Ideen­fin­dung und Pla­nung bis zur Umset­zung frei wäh­len können.

Tribe

Meh­rere Squads, die gemein­sam am sel­ben Produkt/Service arbei­ten oder deren Arbeit eng mit­ein­an­der ver­zahnt ist, wer­den in Tri­bes zusam­men­ge­fasst. Bei Spo­tify gibt es bei­spiels­weise einen Tribe für die Benut­zer­ober­flä­che, in dem die ein­zel­nen Squads an unter­schied­li­chen Bedien­ele­men­ten (wie Sei­ten­menü, Abspiel­leiste und Musik­vor­schlä­gen) arbei­ten. Jeder Tribe hat einen Lei­ter, der u. a. dafür ver­ant­wort­lich ist, dass regel­mä­ßige Mee­tings inner­halb des Tri­bes statt­fin­den, in denen sich die Squads zu ihrer Arbeit austauschen.

Chap­ter

In einem Chap­ter kom­men alle Mit­ar­bei­ten­den zusam­men, die die­selbe Funk­tion aus­üben oder eine ähn­li­che Exper­tise haben. Grob las­sen sich Chap­ters mit den klas­si­schen Abtei­lun­gen in einem Unter­neh­men ver­glei­chen. So kann es bei­spiels­wiese jeweils ein eige­nes Chap­ter für Soft­ware­ent­wick­lung, Design oder Mar­ke­ting geben.

Die Mit­glie­der eines Chap­ters ste­hen in regel­mä­ßi­gem Aus­tausch mit­ein­an­der, um ihre Erfah­run­gen und ihr Wis­sen mit­ein­an­der zu tei­len. Die Chap­­ter-Lei­­tung ist dabei für die ste­tige Wei­ter­ent­wick­lung der Chap­­ter-Mit­­glie­­der verantwortlich.

Guild

Schließ­lich gibt es noch Inter­es­sens­grup­pen, die über einen Tribe hin­weg mit­ein­an­der im Aus­tausch ste­hen, die soge­nannte Guild. Auch hier liegt der Fokus auf dem Aus­tausch von Wis­sen und Erfah­run­gen, der in regel­mä­ßi­gen Mee­tings statt­fin­det. Das Ziel ist es dabei, das Unter­neh­men ste­tig wei­ter­zu­ent­wi­ckeln und zu verbessern.

Prin­zi­pien des Spo­tify Modells

Wenn die ein­zel­nen Ele­mente des Spo­tify Modells ein­mal klar sind, klingt es eigent­lich recht ein­fach: aus den Teams wer­den Squads, aus den Abtei­lun­gen wer­den Chap­ter, diese wer­den noch­mal in Tri­bes zusam­men­ge­fasst und Inter­es­sen­grup­pen lau­fen unter der Bezeich­nung Guild… So leicht geht es lei­der nicht.

Ein­fach nur die Namen in der Unter­neh­mens­struk­tur zu ändern, ändert noch nichts an der Art und Weise wie die Mit­ar­bei­ten­den zusam­men­ar­bei­ten. Daher ist es essen­zi­ell, dass auch die Prin­zi­pien, die hin­ter dem Spo­tify Modell ste­cken ver­in­ner­licht wer­den. Diese beein­flus­sen das Den­ken und Han­deln der Mit­ar­bei­ten­den und somit die gesamte Unternehmenskultur.

Die Prin­zi­pien des Spo­tify Modells las­sen sich in (1) Selbst­be­stimmt­heit und Eigen­ver­ant­wor­tung, (2) Wis­sens­aus­tausch und Wei­ter­ent­wick­lung und (3) ein gemein­sa­mes Ziel zusammenfassen.

1. Selbst­be­stimmt­heit und Eigenverantwortung

Das Spo­tify Modell führt nur dann zum Erfolg, wenn Selbst­be­stimmt­heit und Eigen­ver­ant­wor­tung wirk­lich gelebt wer­den. Dafür muss das Unter­neh­men den Mit­ar­bei­ten­den ent­spre­chen­des Ver­trauen ent­ge­gen­brin­gen, Auto­no­mie ermög­li­chen und diese aktiv för­dern. Zudem ist es wich­tig, in klei­nen Teams und Pro­jek­ten zusam­men­zu­ar­bei­ten und Abstim­mungs­wege mög­lichst kurz zu hal­ten. So wird sicher­ge­stellt, dass Ent­schei­dun­gen schnell und effi­zi­ent getrof­fen wer­den kön­nen, was zu mehr Fle­xi­bi­li­tät und Pro­duk­ti­vi­tät führt.

2. Wis­sens­aus­tausch und Weiterentwicklung

Der Umgang mit Feh­lern sowie das Bedürf­nis von­ein­an­der zu ler­nen und sich ste­tig wei­ter­zu­ent­wi­ckeln sind zen­tral für das Gelin­gen des Spo­tify Modells. Feh­ler dür­fen nicht bestraft oder ver­tuscht wer­den. Statt­des­sen sollte eine Fail-Fast-Men­­ta­­li­­tät gelebt wer­den, die dazu ermu­tigt sich aus­zu­pro­bie­ren, zu expe­ri­men­tie­ren und schnell Feh­ler zu machen, die direkt ana­ly­siert und beho­ben wer­den kön­nen. Ein stän­di­ger Aus­tausch im Unter­neh­men hilft dabei, von den Erfol­gen, Erfah­run­gen und Fehl­trit­ten der ande­ren zu ler­nen und so alle an dem eige­nen Wis­sen teil­ha­ben zulas­sen. Auch hier müs­sen die Werte Trans­pa­renz und Offen­heit ele­men­tar in der Unter­neh­mens­kul­tur ver­an­kert sein, um den Mit­ar­bei­ten­den die Sicher­heit zu geben, über Miss­erfolge zu spre­chen und Neues zu wagen.

3. Gemein­sa­mes Ziel

Damit die Mit­ar­bei­ten­den intrin­sisch dazu moti­viert sind, ihre Ener­gie in den Erfolg des Unter­neh­mens zu inves­tie­ren, muss ein kla­res Ziel defi­niert wer­den. Das Warum oder auch der soge­nannte  Pur­pose muss an alle Mit­ar­bei­tend klar kom­mu­ni­ziert und von ihnen ver­in­ner­licht wer­den. Denn nur wer weiß, wofür er arbei­tet, kann für sich selbst den Sinn dahin­ter fin­den. Noch stär­ker wird das Enga­ge­ment der Mit­ar­bei­ten­den, wenn sie selbst bei der Ziel­de­fi­ni­tion mit­wir­ken und ihre eige­nen Ideen ein­brin­gen kön­nen. So arbei­ten sie für die selbst­ge­setz­ten Ziele, mit denen sie sich identifizieren.

Fazit

Das Spo­tify Modell ist ein Ansatz zur Umstruk­tu­rie­rung eines Unter­neh­mens, um
✅ mehr Agi­li­tät und Fle­xi­bi­li­tät zu erzeugen,
✅ eine effek­tive Zusam­men­ar­beit und klare Kom­mu­ni­ka­tion zu ermög­li­chen und
✅ die anpas­sungs­fä­hi­ger an Ver­än­de­run­gen im Markt zu werden.

Dabei sollte das Spo­tify Modell ledig­lich als Inspi­ra­tion die­nen und nicht blind auf das eigene Unter­neh­men über­tra­gen wer­den. Ein stu­pi­des „Copy and Paste“-Vorgehen führt zu kei­nen Erfol­gen, da jedes Unter­neh­men unter­schied­lich ist und die für sich ideale Lösung selbst fin­den muss.

Wie das Spo­tify Modell erfolg­reich auf das eigene Unter­neh­men ange­wen­det wer­den kann, zei­gen wir in unse­rem Blog­ar­ti­kel Wie nutze ich das Spo­tify Modell erfolg­reich in mei­nem Unter­neh­men?.

Quel­len
• Kni­berg, H. (2014, 27. März). Spo­tify engi­nee­ring cul­ture (part 1). Spo­tify R&D. https://engineering.atspotify.com/2014/03/spotify-engineering-culture-part‑1/
• Kni­berg, H. (2014, 20. Sep­tem­ber). Spo­tify engi­nee­ring cul­ture (part 2). Spo­tify R&D. https://engineering.atspotify.com/2014/03/spotify-engineering-culture-part‑2/

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